»Ode an das Grünzeug«

Zeichnungen und Malerei von Charlotte Ließ

Joachim Ringelnatz       „Kinder weinen. Narren warten. Dumme wissen. Kleine meinen. Weise gehen in den Garten“

Das zeichnerische und malerische Werk von Charlotte Ließ kreist im weitesten Sinne um das Thema Naturraum. Die Beschäftigung mit Farben, Formen und Strukturen, mit landschaftlicher Weite oder mikroskopischer Nähe, mit empfundener Harmonie oder Chaos von Pflanzen und Anpflanzungen kennzeichnet ihre Malerei wie ihre Zeichnungen. Dabei entwickelt das „Grünzeug“ trotz eingefrorener Bewegung eine eigene Dynamik, enthält wesenhafte Züge, verallgemeinert Wachstum und betont den Ausschnittcharakter des Motivs, der sich über die Bildgrenze gedanklich und visuell fortsetzen lässt. So stehen Birken in ihrer weissstämmig zarten Besonderheit nicht nur für ein ästhetisches Prinzip, sondern ebenso für Gebrechlichkeit und Vergänglichkeit. Der Landschaft, der Flora, dem Naturraum als Sehnsuchtsort, als paradiesischer Zustand von poetisch, sinnlicher Dimension wohnt inzwischen ein bedrohliches Gefühl der Vertreibung inne. Seit langem ist der Mensch mit seinen Eingriffen in die Natur bestimmende Kraft. Themen wie industrialisierte Landwirtschaft, Verkehr und urbane Verdichtung, Energiegewinnung, Klimawandel und Artensterben drängen in unser Bewusstsein. Hier setzt der Begriff „Ode“ als literarische Gattung an. Die Bilder und Zeichnungen können als ein Gedicht an das „Grünzeug“ gelten, wollen nicht bloß beschreiben oder kritisieren, sondern dem kostbaren Stoff Natur Verehrung bekunden.

Andy Warhol   “Land zu haben und es nicht zu ruinieren ist für mich das schönste Kunstwerk das man sich wünschen kann.“

Vernissage: Freitag, 10. Januar 2020, 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer vom 1. bis  28. Februar 2020
Öffnungszeiten während dieser Ausstellung  Fr - So 16 - 19 Uhr

 

 

Geboren in Landshut an der Isar, lebt seit Mitte der 70er Jahren in Berlin. Studium an der Akademie der Künste München für Goldschmiede, Malerei und Kunstpädagogik, ergänzende Studien an der UDK Berlin für Künstlerweiterbildung und FB Spiel und Bühne. Teilnahme an verschiedenen Projekten wie der Sommerakademie Salzburg und Neuburg an der Donau sowie Civitella d`Agliano in Umbrien. Beteiligung an Gruppenausstellungen in Berlin und Italien. Tätigkeiten im Bereich der künstlerischen und medialen Bildung in der Berliner Schule, der Jugendkunstschule Wedding, der beruflichen Bildung und der Universität Hildesheim. Seit 2013 Organisation von  Kulturveranstaltungen und Ausstellungen in einem Dorf in der Uckermark.